Die Materialien mittelalterlicher Kleidung

Die Wahl der Materialien spielte bei mittelalterlicher Kleidung eine entscheidende Rolle. Verfügbarkeit, Verarbeitung, sozialer Stand und regionale Gegebenheiten bestimmten, welche Stoffe und Materialien zum Einsatz kamen. Besonders verbreitet waren Wolle und Leinen, daneben wurden je nach Zeit und gesellschaftlicher Stellung auch Seide, Baumwolle, Leder und verschiedene Tierhaare verwendet. Auch die Art der Webung beeinflusste Aussehen, Haltbarkeit und Wert eines Kleidungsstücks.

Welche Materialien wurden bei mittelalterlichen Kleidungen genutzt?

Baumwolle, Canvas und Barchent

Baumwolle gab es, jedoch war sie teuer und ebenfalls anders verarbeitet, als heute. So gab es beispielsweise ein Gewebe namens Barchent (von arabisch barrakan – „Stoff aus Kamelhaar“, bzw. persisch baranka – „Schafwolle“), ein Mischgewebe aus Baumwoll-Schuss auf Leinen-Kette, das glatt, auf einer oder auf beiden Seiten aufgeraut ist.

Seide, Taft und Seidenbrokat

Seide wurde bereits in der Antike nach Europa importiert. Fest steht, dass um 550 n. Chr. die Seidengewinnung im Byzantinischen Reich begann. In Europa etablierten sich eine Reihe Regionen als Zentren der Seidenproduktion und der Seidenfärberei. Die norditalienische Stadt Lucca verdankte ihren Einfluss und ihre Macht im 13. Jahrhundert beispielsweise ihrer Seidenindustrie.

Samt und Baumwollsamt

Samt wurde in Europa ganz plötzlich sehr beliebt und war später der Hauptgewebetyp der Renaissance. Kettsamt ist bereits im Italien des frühen 14. Jahrhunderts nachgewiesen, hergestellt in Venedig, Florenz, Genua und Mailand. 1474 waren in Mailand 15.000 Samtweber und andere Mitarbeiter beschäftigt. In dieser Zeit wurde er bereits als Bezugsstoff, beispielsweise für Kissen, verwendet; außerdem für Prunkgewänder und Wandbezüge.

Ledersorten für Gewandung im Mittelalter

Schafs- und Ziegenleder waren besonders beliebt für Kleidung und Handschuhe. Ziegenleder, auch als Sämischleder bekannt, war weich und geschmeidig – ideal für eng anliegende Kleidungsstücke. Schafleder fand oft Verwendung in der Buchbinderei. Hirschleder galt als Luxusmaterial. Es war weich, strapazierfähig und wurde gerne für hochwertige Handschuhe und Beinlinge verwendet.

Zusatz: Canvas (bzw. Duck)

Canvas ist ein aus starkem Garn dicht und fest gewebter Stoff. Die Bezeichnung stammt aus dem Englischen und bezieht sich auf historisches Segeltuch. Ursprünglich waren Stoffe für Segeltuche meist aus reinem Hanf und Leinen gefertigt, Baumwolle wurde erst ab Anfang des 19. Jh. verwendet. Aus der Verwendung von Hanf als Segeltuch leitet sich der englische Begriff Canvas für Segeltuch, Canvas stammt aus dem 13. Jahrhundert aus dem angelsächsischen Canevaz und aus dem altfranzösischen Canevas (Leinwand). Canvas wird aus Naturfasern wie Baumwolle, Hanf, Leinen aber auch gemischt mit verschiedenen Chemiefasern hergestellt. Auch wird Canvas in unterschiedlichen Webarten produziert, bei uns in ursprünglicher Leinwandbindung. Canvas ist wegen seiner Eigenschaften äußerst begehrt und wird für sehr viele textile Anwendungen verwendet. Bereits das Kolosseum in Rom war mit einem Velarium (Sonnensegel) als Sonnenschutz bespannt.

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